proM² in der Presse

Gastwirt, 4/2014
von Astrid Minnich

Stilfragen

Für unsere deutschen Nachbarn ist es Freiherr von Knigge, bei uns gilt nach wie vor "der Elmayer" als Instanz in Sachen guten Benehmens. Was etwas angestaubt klingt, feiert fröhliche Urständ: gutes Benehmen und gepflegte Umgangsformen. Neben Benimm-Büchern boomen gerade Benimm-Seminare. Gerade und - vor allem - im Businessbereich.

Wer, was, wann warum?
Begrüße ich grundsätzlich zuerst die Damen, auch wenn der CEO danebensteht (und wie, wenn ‚ich eine Frau bin)? Wie direkt darf ich ein geschäftliches Anliegen bei einem Empfang ansprechen? Hilft man der Chefin aus dem Mantel? Wie interpretiere ich den Dresscode auf der Einladung? Geht immer der Mann als erster in ein Lokal? Und wie sieht das mit dem Small-Talk aus? Eine Menge Fragen für einen Vormittag. Reitterer hat daher ein ehrgeiziges Vorhaben: "Wir knacken den genetischen Code von gutem Benehmen. Man kann sich alle Benimmregeln logisch herleiten, erst dann schaffen Sie es nämlich, sie auch flexibel an verschiedenen Situationen anzupassen und immer noch richtig zu reagieren." Außerdem ist Reitterer Praktiker: "Man muss die Dinge machen, um sie zu verstehen." Als logische Konsequenz werden die Pausen als Übungseinheiten benutzt. Vor der ersten Kaffeepause bilden die Teilnehmer Dreiergruppen und jeder bekommt ein Kärtchen mit einer fiktiven Beschreibung der eigenen Person. Die Aufgabe: Diese Punkte in einem kurzen Gespräch elegant und unaufdringlich zu platzieren und herauszufinden, was die anderen beiden zu interessanten Kooperationspartnern machen könnte. "Die meisten Menschen gehen ohne Ziel und genaue Vorstellung auf ein Networkingevent. Viele wissen auch nicht, worüber sie sprechen könnten und sollen oder welche Themen man besser nicht anreißt", erklärt Reitterer.

Logisch handeln
Bevor das Mittagessen serviert wird, ist im Restaurant des Interconti das richtige Besteck für ein dreigängiges Menü aufzulegen. Wozu ich das brauche, wenn ich kein Restaurant betreibe? "Die Übergänge von privat und geschäftlich sind fließend. Eine Führungskraft bleibt immer Führungskraft, auch nach der 'offiziellen' Arbeitszeit - das Thema 'gutes Benehmen' ist untrennbar mit Führungskultur und Unternehmenskultur gekoppelt." Auch beim Seminar-Partner Intercontinental beobachtet man täglich, dass Business Etikette im unmittelbaren beruflichen Alltag natürlich ein Thema ist, aber besonders Abendveranstaltungen oder gesellschaftliche Anlässe als Hürde empfunden würden. "Das Bewusstsein für solche Stolpersteine wird immer größer", ergänzt Reitterer. Ein Sonderfall wären kulturübergreifende Geschäftsbeziehungen: "Bei internationalen Kontakten prallen manchmal entgegengesetzte Benimm-Welten aufeinander, da braucht es dann eine gewissen Sensibilität für mentalitätsbedingte Unterschiede der jeweiligen Business Kultur." Aber auch da helfe es, sich in die andere Kultur hineinzuversetzen und logisch zu handeln, beruhigt der Seminarleiter.

Immer ich
Seine eintägige Veranstaltung kombiniert Vortrag, aktives Erleben und Rollenspiel. Das soll jungen Führungskräften neues Wissen nahebringen und erfahrenen Führungskräften ungewohnte Sichtweisen auf bekannte Themen eröffnen. Ich persönlich frische mein vorhandenes Wissen auf und finde die Kombination mit dem Persönlichkeitsprofil sehr interessant. "Wir haben die Master EASI Persönlichkeitsanalyse ins Seminar inkludiert, weil sie einen hervorragenden Ansatz bietet, sich selbst zu reflektieren und ich überzeugt bin, dass die Führungsaufgabe viel einfacher wird, wenn man über sich selbst Bescheid weiß. Außerdem haben wir beobachtet, dass viele unserer Seminarteilnehmer das erste Mal verstehen, warum sie möglicherweise mit dem einen oder anderen Mitarbeiter Kommunikationsprobleme haben", erläutert Christian Reitterer. Im Vorfeld des Seminars bekommt jeder Teilnehmer die Möglichkeit, online sein Persönlichkeitsprofil erstellen zu lassen. Auf Wunsch wird eine Analyse mitgeschickt, mit der man das Ergebnis dann auch interpretieren kann. "Das Ganze ist keine Wertung, sondern eine Beschreibung der Persönlichkeit anhand wissenschaftlich ausgetesteter Parameter" - so Dieter Euler Rolle, der mit seinem Beratungsunternehmen die Auswertungen der Fragebögen für proM² erledigt. Im Seminar dienen die Erkenntnisse dazu, der 'Marke-ich' näher zu kommen, die Reitterer im Führungsverhalten allgemein für sehr wichtig hält. "Nur wenn mir bewusst ist, wie ich bin, laufe ich nicht Gefahr, mich zu verstellen, um irgendeinem Wunschbild von mir nachzujagen."

Schräge Typen
Was das mit gutem Benehmen und dem Business-Knigge zu tun hat? Ein Beispiel: Eine Führungskraft, die dem Profil "Analytiker" entspricht, wird an die Anforderung, eine Gruppe Personen einander vorzustellen anders herangehen, als jemand, der der Charakteristik "Enthusiast" zuzuordnen ist. Ersterer wird nämlich - sicher sogar - im Vorfeld recherchiert haben, was da auf ihn zukommt - schlimmstenfalls blitzschnell. Wenn er mehr Zeit gehabt hat, sich vorzubereiten, hat er sorgfältig die Gästeliste studiert, Titel und Rangordnung herausgefunden, sich eine Liste gemacht und gewissenhaft gelernt. Der Enthusiast wird das Ganze lockerer angehen, das Vorstellen vielleicht sogar delegieren - wenn es ihm total unangenehm ist - und sich sonst einfach auf sein Gefühl und seinen - umwerfenden - Charme verlassen. Wenn man ihn zwingt, eine ähnliche Performance wie der Analytiker abzulegen, wird er das schon hinbekommen, wohlfühlen wird er sich in seiner Haut nicht. Dafür ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er noch während der Vorstellung mit den Gästen ins Gespräch kommt und als herzlich und offen in Erinnerung bleibt.

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