proM² in der Presse

Wirtschaftsblatt, 4.12.2015
von Kathrin Gulnerits

Lieber Schach statt Marathon

Wirtschaftsblatt, 4.12.2015

Um Stress abzubauen, greifen Manager oft auf falsche Maßnahmen zurück, sagt Coach Martina Kaiser. Wer im Job Vollgas gibt, sollte nicht auch noch in der Freizeit Marathon laufen.

WIEN. Arbeit macht keinen Stress, heißt es in einer aktuellen Studie. Vielmehr stressen wir uns vor allem selbst: Bin ich gut genug? Mache ich alles richtig? Für 27.000 befragte Internetnutzer ist die Hauptursache für Stress der Druck, den man sich selbst macht (23 Prozent). Stress verursachen beispielsweise auch die tägliche Arbeit und Schlafmangel (15 Prozent), ebenso wie keine Zeit für Dinge zu haben, die man machen will (14 Prozent).

Zwei Stresstypen werden unterschieden. Unter Typ A fallen die überschwänglich und emotional agierenden Enthusiasten und die ergebnisorientierten Implementierer. Beide stressen Langeweile, Routine und Ignoranz.
Die Implementierer sehen obendrein rot, wenn Ergebnisse gefährdet sind und sie ein Gefühl des Kontrollverlusts haben. Unter den Stresstyp B fallen die einfühlsamen und harmonieorientierten Supporter. Aber auch die gewissenhaft und rational arbeitenden Analytiker. Für Stress sorgen Konflikte (auch unterschwellige), Zeitdruck, Ungerechtigkeit und unklare Angaben.
Beide Typen bauen auf unterschiedliche Art und Weise Stress ab. Allerdings ist das, was sie tun, nicht immer sinnvoll, sagt Coach und Personal-Trainerin Martina Kaiser von ProM2. „Mitarbeiter können sich ganz gut zum Thema Stress einschätzen. Ihnen ist aber nicht bewusst, dass sie oft das Falsche dagegen tun.“

Ständiger Wettbewerb

Typ A baut Stress ab, indem er sich auch in seiner Freizeit dem Wettbewerb stellt. Marathonlaufen und Boxen stehen ganz oben auf der Liste. „Sie laufen immer mit Pulsuhr und auch hier immer nach der Devise ,Höher, schneller, weiter‘“, sagt Kaiser. „Dieser Typ glaubt, dass er sich erholt, wenn er sich auspowert.“ Schach wäre freilich sinnvoller. „Wenn er laufen gehen will, ist das okay. Aber dann nehme ich ihm die Pulsuhr weg.“
Ganz anders agieren die B-Typen beim Stressabbau. Sie neigen dazu, sich auch in der Freizeit gehen zu lassen. „Sie müssten zum Boxen gehen“, sagt Kaiser. „Diesen Typ kann man vom Hatha-Yoga zum Power-Yoga und irgendwann zum Laufen bringen.“ Oft hapert es an der Motivation. „Sie unterfordern sich gern. Zureden hilft nicht. Manchmal muss man sie zwingen.“

Obstkorb allein reicht nicht

Aber auch das Unternehmen kann viel tun, um bei Mitarbeitern Stress zu vermeiden. Enthusiasten und Implementierer sollte man möglichst Freiheiten gewähren und ihnen ein Umfeld geben, in das ihre Macherqualitäten passen. Supporter und Analytiker wiederum brauchen eine wertschätzende Führungskultur, bei der fachliche Anerkennung, Lob und das Gefühl, gebraucht zu werden, nicht zu kurz kommen.

Hinter Maßnahmen stehen

Werden obendrein Maßnahmen zum betrieblichen Gesundheitsmanagement implementiert, komme es viel auf das Wie an. „Mit dem Obstkorb, der Betriebsärztin und der Yogastunde habe ich alle Mitarbeiter abgeholt. Man muss aber immer auch schauen, ob die Unternehmenskultur zu den Maßnahmen passt“, sagt Kaiser. Werden Mitarbeiter schief angeschaut, wenn sie um halb fünf zur Yogastunde gehen? Fragen Führungskräfte öfter: „Wozu brauchen wir das?“ „Dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn Maßnahmen lange nicht greifen oder irgendwann einschlafen.“ Kaiser empfiehlt, einen verantwortlichen Koordinator zu bestimmen, der das „Gesicht“ für die Maßnahmen ist und ein Standing in der Belegschaft hat.

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