proM² in der Presse

Trend, 03/2017
von Gabriela Schnabl

Explosionen auf der Leinwand

Trend 03/2017 – Explosionen auf der Leinwand

„Wie tickt der Einkauf“ ist sein Seminar-Klassiker. Der Trainer und Berater CHRISTIAN REITTERER weiß aber auch, wie die Malerei tickt. In 20 Jahren hat sich der Autodidakt zu einem respektablen Künstler entwickelt.

Sehr viel Rot, leuchtendes Gelb, knallendes Blau – Christian Reitterer steht auf kräftige Farben. Genauer: Er kniet davor. Ausgestattet wie ein Dachdecker mit Knieschützern, rutscht er in einer farbverschmierten Jeans auf dem Boden seines Ateliers herum und berbeitet die davor liegende Leinwand mit Ölstiften und einem fleckigen Fetzen, manchmal auch direkt mit den Händen. Im Hauptberuf ist Reitterer Geschäfsführer des Beratungs- und Coachingunternehmens proM² (Mensch und Management) und gefragter Vortragender zu den Themen Change Leadership, Employer Branding und Marketing/Vertrieb. Spielt da ein biederer Anzugtyp im Keller seines Hauses in Wien, passend zum neuen Film von Josef Hader, „Wilde Maus“?

Der 54-Jährige lacht. „Es stimmt schon, beim Malen explodiere ich auf der Leinwand. Aber das ist kein Gegensatz zu meiner Arbeit als Berater und Speaker, auch dabei geht es um Kreativität, auch dabei fließt viel Energie.“ Zweite Übereinstimmung: Was sich da auf der Leinwand entlädt, ist nicht nur spontane Action, sondern bedarf gezielter Vorbereitung. „Ich bin ein aufmerksamer Beobachter, sammle Eindrücke aus der Natur, mache Fotos und Skizzen“, sagt Reitterer, „solche Eindrücke sind wie Samenkörner, die wachsen. Und irgendwann müssen sie dann als schöne Pflanze heraus.“ Was dabei „herauskommt“, ist aktuell in einer Pop-up-Galerie im Wiener Einkaufszentrum Galleria im 3. Bezirk zu sehen.

Seit über 20 Jahren malt er großformatige, dreidimensionale und farbintensive Bilder, inspiriert vom US-Expressionisten Jason Pollock, dem österreichischen Künstler Max Weiler oder dem deutschen Multitalent Gerhard Richter. „Beim Malen mit Wasserfarben mit meinen Kindern habe ich erstmals gespürt, wie viel Spaß mir das macht.“ Unter dem Motto „Trau dich“ wandte er sich an eine Bekannte, die an der Kunstakademie studiert, kaufte mt ihr Farben, Pinsel und Leinwände. Dann ging es los.

Sprung über die Grenzen

Für den ausgebildeten Techniker Reitterer ist die Kunst ein Sprung über die Grenzen. Nach seinem Studium der Anorganischen Verfahrenstechnik an der Höheren Technischen Lehranstalt TGM in Wien absolvierte er Executive-Ausbildungen an der IMADEC University Vienna und dem IMD Lausanne. Seine berufliche Laufbahn startete er beim Bindungshersteller Tyrolia als internationaler Ausbildungsleiter, wurde Key Account Manager und später Marketingdirektor bei Nestlé. Ziemlich weit weg also von Energieentlaungen auf Leinwand.

Während der Hobbymaler noch zweifelt, ob das mit Kunst wirklich das Richtige für ihn ist, verkauft er seine ersten Bilder, hat 1998 seine erste Ausstellung. Er erfährt, dass das öffentliche Zurschaustellen seiner Kunst kein Spaziergang in der Sonne ist. Ein Autodidakt ohne akademischen Malertitel findet in der etablierten Kunstszene wenig Anerkennung. Beim Publikum gilt er als Geheimtipp, wird durch Mund-zu-Mund-Propaganda weiterempfohlen und gewinnt nebenbei internationale Foto-Preise.

Und wieder heißt e: trau dich! Nach zwölf Jahren bei Nestlé gründet Reitterer 2005 proM², begleitet Unternehmen wie Uniqa und Baxter bei Change-Prozessen, konzipiert Führungskräfte-Ausbildungen, macht Verkaufstrainings und entwickelt für die Markenartikelindustrie das Kultseminar „Wie tickt der Einkauf“. 2013 kommt sein erstes Management-Buch „Schachmatt dem Firmentod“ auf den Markt.

„Wer etwas erreichen möchte, das er noch nie erreicht hat, wird etwas tun müssen, was er noch nie getan hat“, hat Albert Einstein einmal gesagt. Es ist Reitterers Lieblingszitat, das sich wie ein roter Faden durch sein Leben zieht und auch Kunst und Business zusammenfügt. „Um erfolgreich zu sein, braucht es in beiden Bereichen Kreativität und Energie“, sagt Reitterer, „und auch Disziplin: nämlich, sich Gedanken zu machen, dranzubeleiben, sich gut vorzubereiten und das dann engagiert umzusetzen.“ Also doch keine wilde Maus im Keller.

> Werke von Christian Reitterer

> Fotos der Vernissage, 2.3.2017

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