proM² in der Presse

trend, 43/2016
von Arne Johannsen

Die neuen Moden der Regierung

Auch wenn es inhaltlich manche Blöße gibt, äußerlich ist die Bundesregierung up to date. ENGE ANZÜGE betonen die Vitalität von Kern und Kurz. Aber können sie den Niedergang des klassischen Anzugs stoppen?

Es ist eng, aber er bleibt. Nein, gemeint ist nicht der Zustand der Bundesregierung und die Zukunft von Christian Kern. Gemeint ist des Businessman liebstes Kleidungsstück: der Anzug. Dieser erlebt gerade wieder einen Aufschwung, ausgelöst durch den modebewussten Kanzler. Denn was sich an der Spitze der rot-schwarzen Koalition abspielt, ist auch das Duell gut gekleideter Männer, in Österreich keine Selbstverständlichkeit. Hier Christian Kern, dort Sebastian Kurz und Reinhold Mitterlehner, alle bestens beschneidert in eng geschnittenen, modischen Anzügen.
Der neue Chic am Kabinettstisch haucht auch einem Kleidungsstück wieder frisches Leben ein, das viele schon im Out sahen. Seit Apple-Gründer Steve Jobs, wohl der erfolgreichste Unternehmer der vergangenen Jahrzehnte, stets in Jeans und Rollkragenpullover vor das Publikum trat, gilt der Anzug für viele als old-fashioned. Spießig, fad, mittelmäßig, das Symbol der Old Economy. Wer cool ist, trägt lässig. Mark Zuckerberg im Anzug? Undenkbar, der Kurs der Facebook-Aktie würde auf der Stelle verlieren. Aufgestiegen mit dem Bürgertum, droht dem Anzug auch der Abstieg im Gleichschritt mit genau diesem Bürgertum und seinen Werten. Der Anzug als die ÖVP des Kleiderkastens, also immer mehr in die Bedeutungslosigkeit gedrängt? …

SALOPP STATT ADRETT. Statt nett und unauffällig heißt der neue Dresscode der Erfolgreichen jetzt, leger und vor allem individuell. So treten die ÖVP-Minister Kurz und Mitterlehner immer häufiger ohne Krawatte auf, wenn sie nicht gerade auf Gipfeln gipfeln. Die Hierarchieebenen darunter erscheinen selbstverständlich mit Binder zur Arbeit.
Demonstrativ stellt auch Uniqa-CEO Andreas Brandstetter den neuen lässigen Business-Look zur Schau. „Das Signal ist eindeutig: Ich bin ein agiler Typ und führe das Unternehmen in zeitgemäßer Form“, analysiert Böhringer.
Ob ein solcher Auftritt passend ist, hängt vor allem von Branche und Unternehmenskultur ab. „Start-ups haben mehr Freiheiten als Versicherer“, sagt Christian Reitterer, der als Business Coach auch Seminare zum Thema „Führungskraft mit Stil“ anbietet. „Die Neigung zur Selbstinszenierung ist bei der Kleidung sehr stark in den Vordergrund gerückt“, so Reitterer, „dabei wird gerne vergessen, dass der Dresscode auch eine Sache des Respekts dem anderen gegenüber ist.“ Das gilt vor allem im Kontakt mit Kunden. Aber selbst bei eleganten Abendeinladungen halten sich viele Gäste nicht an den Dresscode. „Eine absolute Missachtung des Gastgebers.“
Auch dem Lässig-Look des Uniqa-Chefs steht Reitterer eher skeptisch gegenüber: „Für einen Change-Prozess kann ein solcher Auftritt ein Signal der Erneuerung und richtungsgebend sein. Aber ein solcher Kulturwandel muss mit anderen Maßnahmen gekoppelt sein und auch von den Mitarbeitern verstanden werden. Ein Pullover macht aus einem konservativen Versicherer noch kein Fintech.“ Es bestehe die Gefahr, dass man Mitarbeiter irritiert, weil dieser „Dresscode“ eben nicht für alle gilt. „Und dann könnte die von den Mitarbeitern empfangene Botschaft sein, dass sich der Boss von der realen, operativen Welt entkoppelt hat.“ …

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